Eine neue Urbanität
Urbanität ist keine Qualität der Städte sondern ihrer BewohnerBazon BrockWuppertal ist eine lange, schmale und seltsame AktionistenstadtSPEX, Musik zur Zeit, ca. 1991
Wie sind die Voraussetzungen für eine Erholung der städtischen Strukturen Wuppertals, angesichts der zuvor angesprochenen Probleme? Bietet die Stadt für eine Entwicklung transurbaner Perspektiven sogar besondere Ansätze, oder gibt es besondere Ressourcen, die zu einer kulturellen Revitalisierung der Stadt genutzt werden könnten?
Seine dezentrale Stadtstruktur bietet für Wuppertal besonders gute Voraussetzungen, um auch kleinteilige, quartiersbestimmte Initiativen zu entwickeln und zu fördern und somit vorhandene Segregationstendenzen umkehren oder die davon betroffenen Quartiere zumindest stabilisieren zu können.
Auch verfügen die einzelnen Stadtbezirke - (wenn auch längst nicht mehr alle Quartiere) - noch über komplette Infrastrukturen, die in weiten Teilen funktionieren, und sind, anders als in vielen Metropolen, sämtlich in ein gut funktionierendes Konzept des Personennahverkehrs eingebunden, das sich in Wuppertal auf die - die Stadt in ihrer gesamten Länge befahrenden und damit alle Stadtbezirke einbindenden - Schwebebahn stützt. Dieses sehr aussergewöhnliche Verkehrssystem, das eine Fahrtstrecke über der - das Wuppertal durchziehenden - Wupper nutzt, und so die schwierige Topografie der Industriestadt seit den Anfangsjahren des vorigen Jahrhunderts optimal berücksichtigt, macht alle Zentren und Unterzentren der Stadt innerhalb weniger Minuten für eine grosse Anzahl Wuppertaler erreichbar. Kein Bezirk wird von den Verkehrsflüssen der Stadt abgekoppelt.
Die Erreichbarkeit aller Quartiere stellt dabei eine grundsätzliche Voraussetzung dazu dar, auch jene Stadtteile, die in den letzten Jahren massiv an Attraktivität verloren haben, mittelfristig zu revitalisieren.
Darüberhinaus verfügt Wuppertal bereits über einige Erfahrung mit Prozessen wirtschaftlicher Transformationen. Die strukturelle Krise an der Wupper, bei der die ortsansässigen Produzenten, Veredler und Verarbeiter von Textilien - die die Wirtschaft und Bevölkerung des Wuppertales seit der Phase der beginnenden Industrialisierung entscheidend geprägt hatten - ihre heimische Produktionsgrundlage verloren, ereignete sich viel früher als der Niedergang der Montanindustrie in den Nachbarstädten an der Ruhr, dessen teilweise Überwindung oft als beispielhaft für den Strukturwandel einer Region angeführt wird.

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